Kongresse
77.
DGSS-Kongress vom 24.-26. März 2011 in Göttingen Vom 24. bis 26. März 2011 fand an der Universität Göttingen der 77. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Sprach- und Stimmheilkunde statt. Der Kongress musste wegen des plötzlichen Todes des Tagungs-Kopräsidenten Prof. Deutsch kurzerhand von Braunschweig nach Göttingen verlegt werden. Dem Team um die Tagungspräsidentin Frau Prof. Christiane Kiese-Himmel (Schwerpunkt Phoniatrisch / Pädaudiologische Psychologie an der Abt. Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Universitätsmedizin Göttingen) gelang es, den Kongress nicht einfach nur zu „retten“, sondern dank einer perfekten Organisation und Kongressdurchführung zu einem vollem Erfolg werden zu lassen. Dass unser Anliegen, das Wohl aller stimm-, sprech-, sprach-, schluck- und hörgestörten Menschen, in Göttingen große Wertschätzung erfährt, offenbarte sich in den Eröffnungsworten des Dekans und Vorstandssprechers der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), Herrn Prof. Dr. med. C. Frömmel, der zudem einem Großteil der Vorträge als Zuhörer lauschte. In vier großen Themenblöcken (HörenWahrnehmen-Erkennen; Begabung-Lernen-Kultur; Stimme-Emotion-Dysfunktion und Sprache-Symbol-Intervention) spiegelten die Vorträge das breite Spektrum diagnostischer, therapeutischer sowier präventiver pädagogischer, psychologischer Interventionsmöglichkeiten wie auch Paradigmen und Ergebnisse der umfangreichen Grundlagenforschung wider. Zu den Vortragsglanzlichtern, die hier leider nicht alle aufgezählt werden können, zählten die Ausführungen zur raumakustischen Auslegung von Musikräumen durch Herrn Prof. Dr. Ing. Gerhard Müller (Ordinarius am Lehrstuhl für Baumechanik an der TU München), der eindrucksvoll den Einfluss der Raumarchitektur auf die kompositorische Arbeit und umgekehrt herausstellte, sowie der Vortrag zu Ursachen und therapeutischen Ansatzpunkten bei ADHS von Herrn Prof. Dr. sc. hum. Manfred Döpfner (leitender Psychologe der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Zentrum für Neurologie und Psychiatrie des Universitätsklinikums Köln). Von ganz besonderem Reiz war der Empfang am Abend des 2. Kongresstages im ehrwürdigen historischen Hörsaal des Archäologischen Instituts aus dem Jahr 1905, zum einen durch den spannenden Vortrag von Herrn Prof. em. Dr. Helmut Henne „Zum Wörterbuch der Grimms - eine unendliche Geschichte“, zum anderen durch die interessante Ausstellung „Das Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm“, die von Herrn Dr. Volker Harm und Mitarbeitern (Arbeitsstelle Deutsches Wörterbuch der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen) konzipiert und eröffnet wurde. In diesem Rahmen wurde auch der mit 1.000 SFr dotierte Phonak-Nachwuchsförderungspreis an Frau Dr. Nicole Neef (Dipl.-Logopädin an der Abteilung Klinische Neurophysiologie der Universitätsmedizin Göttingern) für ihre Arbeiten über die „Trennschärfe für den Stimmhaftigkeitskontrast bei Erwachsenen mit persistierendem Stottern“ durch den Schatzmeister der DGSS, Herrn Prof. Eberhard Seifert (Leiter der Abt. Phoniatrie und Pädaudiologie am Inselspital Bern), überreicht. Als erfolgreiches Modell darf die Durchführung von Workshops gewertet werden. In deren Rahmen offenbart sich das Erfolgsgeheimnis der DGSS auf eindrücklichste Weise, nämlich eine fächerübergreifende Plattform des Austausches von Erfahrungen, Forschungsergebnissen und Vorgehensweisen in Diagnostik und Therapie auf gleicher Augenhöhe und ganz im Interesse der Stimm- und Sprachheilkunde.. Hier wird der interdisziplinäre Gedanke, aus dem sich die Gesellschaft 1925 gegründet hat, besonders fassbar. Mit der Wahl eines neuen DGSS-Präsidenten, Herrn Prof. Dr. med. Dr. h.c. Martin Ptok (Direktor der Klinik und Poliklinik für Phoniatrie und Pädaudiologie der Medizinischen Hochschule Hannover und Herausgeber der Zeitschrift Sprache Stimme Gehör) erfährt die Gesellschaft sowohl Kontinuität als auch neue Impulse. Er wird die begonnene Modernisierung und Neuausrichtung der Gesellschaft fortführen, die durch den per Statut abzulösenden Vorstand um den bisherigen DGSS-Präsidenten Herrn Prof. Dr. med. Rainer Schönweiler (Leiter der Abt. für Phoniatrie und Pädaudiologie am Universtitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck) initiiert wurde. Dafür ist Herrn Prof. Ptok und seinem neuen Vorstand durch einstimmiges Votum der Mitgliederversammlung das Vertrauen ausgesprochen worden. Unterstützt wird er durch die neue Geschäftsführerin, Frau Silke Winkler (B.Sc., Lehrlogopädin und Dozentin an der IFBE-Logopädenausbildung Chemnitz), sowie den neuen Schatzmeister, Herrn Dr. med. Dirk Deuster (leitender Oberarzt an der Klinik und für Phoniatrie und Pädaudiologie der Universität Münster). Zum Abschluss des Kongresses wurde der Andreas-Fahl-Posterpreis für zwei hervorranende Arbeiten an Frau Dipl.-Psych. Susanna Auberlen und Frau Dipl.-Sozw. Katharina Tretter (beide Abt. Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Universitätsmedizin Göttingen) vergeben. Der Göttinger DGSS-Kongress 2011 wird allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen in guter Erinnerung bleiben und macht schon jetzt Lust auf den nächsten, der in Magdeburg durchgeführt wird und für Anfang März 2011 geplant ist. Dr.
phil. Susanne Voigt-Zimmermann
76.
Kongress „Stimme und Sprache in Erziehung und
Bildung“
Die Ergebnisse der PISA-Studie belegten, dass die Bildungschancen von Kindern wesentlich von deren Laut-und Schriftsprachkompetenz bestimmt werden. Diese hängt von der Qualität und Quantität der Anregung und Förderung, vom Hörvermögen und weiteren Sinnesfunktionen sowie von der intellektuellen und motorischen Begabung der Kinder ab. Die Ursachen für Spracherwerbsstörungen klassifiziert man heute in B) „Spracherwerbsstörungen bei Komorbiditäten“ (z.B. Hörstörungen, andere Sinnesstörungen, motorische und intellektuelle Entwicklungsstörungen, Syndrome, u.v.m.) und C) Spracherwerbsstörungen durch ungünstige Umgebungsbedingungen (AWMF-Leitlinie Reg. Nr. 049/006). Die Ursachen machen deutlich, dass ärztliche bzw. medizinische und erzieherische bzw. pädagogische Disziplinen gleichermaßen gefordert sind, die Entwicklungsbedingungen der Kinder zu optimieren. Weltweit ist man heute der Meinung, dass diese Optimierung nicht erst im Schulalter, sondern im Kindergarten- und Vorschulalter einsetzen sollte. Dies war das übergreifende Thema des 76. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Sprach- und Stimmheilkunde (DGSS, www.dgss-ev.org), der vom 26.-29. März 2009 in Bochum stattfand.
Derzeit werden in Deutschland zwei verschiedene Ansätze zur Früherkennung von Spracherwerbsstörungen im Vorschulalter verfolgt, für die Modellprojekte eingerichtet wurden. Für Nordrhein-Westfalen wurde ein flächendeckendes und vom Land finanziertes Früherkennungssystem von Spracherwerbsstörungen eingeführt (Delfin 4), das für alle 4 Jahre alte Kinder eine Vorsorgeuntersuchung vorsieht, dem ein pädagogisches Sprachförderprogramm im Kindergarten angeschlossen ist. Alle medizinischen Aspekte (A und B) werden wie bisher der kinder- und jugendärztlichen Vorsorgeuntersuchung, ggf. weiteren fachärztlichen Behandlungen, überlassen. In Hessen hingegen soll die Früherkennung vollständig in ärztlicher (pädiatrischer) Hand verbleiben.
Über das Projekt Delfin 4 berichtete die Sprachheilpädagogin Frau Professor Lilian Fried (Universität Dortmund) in einem Hauptvortrag, die maßgeblich an der Entwicklung der Testdiagnostik und des Förderprogramms verantwortlich zeichnete. Delfin 4 berücksichtigt das rezeptive und expressive Lexikon (Wortschatz), das Sprachverständnis, Syntax (Satzbau) und morphologische Regelbildung (z.B. Deklination, Konjugation). Aussprachestörungen (ehemals „Dyslalien“ „Artikulationsstörungen“) sowie Redeunflüssigkeiten (wie Stottern und Poltern) werden bewusst nicht testdiagnostisch quantifiziert, sondern nur erfasst und ggf. einer ärztlichen Behandlung zugeführt. Frau Professor Fried konnte die Teilnehmer davon überzeigen, dass Delfin 4 entgegen bisheriger Befürchtungen seitens der Medizin ein valides Testinstrument ist.
75.
Kongress „Stimme – Sprache – Lebensalter“ Der Kongress der DGSS fand vom erstmals in Österreich, in Salzburg, statt. ![]()
![]()
Kongresspräsident
war Dr. Josef Schlömicher-Thier, der die Veranstaltung mit
Souveränität und Herz vorbereitete. Das Motto "Stimme
– Sprache – Lebensalter:
Krankheit, Beeinträchtigungen, Behinderungen"
zielte auf die Stimm- und Sprachprobleme der drei Generationen
unserer Gesellschaft: Kinder, die von Spracherwerbsstörungen
und eingeschränkten Bildungschancen bedroht sind, die
"mittlere Generation", die die sozialen Lasten und die
Kosten im Gesundheitswesen zu tragen hat und in den meisten
Berufen eine gute sprachliche und stimmliche Leistungsfähigkeit
benötigt und die wachsende Population alter und hochbetagter,
oft multimorbider stimm- und sprachgestörter Menschen,
beispielsweise mit Aphasie oder Dysarthrophonie, denen dank
moderner Medikamente und Operationen zwar ein langes Leben
vergönnt ist, aber nicht mehr "mitreden" können
und dadurch vom Geschehen "abgehängt", teils sogar
isoliert sind. Wohl jeder wird bei der täglichen Arbeit mit
den spezifischen Problemen einer jeden Generationen zu tun haben.
Der Kongress der DGSS zeigte Lösungen auf und der
September-Ausgabe 2007 der Zeitschrift LOGOS Interdisziplinär
sind ausgewählte Hauptvorträge abgedruckt.
74. Kongress in Berlin,
|
72.
Tagung 2001 in Rostock 71.
Tagung in Berlin 70. Jubiläumstagung in Münster, 14.-15.03.1997
Mit Rücksicht auf die jährlich tagenden Kongresse der assoziierten Gesellschaften und Verbände, die unter dem Dach der DGSS organisiert sind, finden die Tagungen alle zwei Jahre statt. Referate, Vorträge und Seminare werden unter ein Rahmenthema von allseitigem Interesse gestellt. So fand die 70. Jubiläumstagung in Münster vom 14.-15.03.1997 im Gedenken an Max Nadoleczny mit dem Thema: "Frühförderung im Alter von 0-3 Jahren" statt. Der Tagungsband der 70. Jubiläumstagung mit allen Vorträgen und Postern ist für DM 40.- im Sekretariat der DGSS verfügbar. |